Donnerstag, 5. Januar 2017

Neujahrsgruß von der Couch!

Ein Neujahrsgruss von der Couch! Ich hätte auch schreiben können aus dem Bett, denn zwischen selbigen Liegestätten pendle ich nun schon seit Donnerstag des alten Jahres hin-und her. Ja, ich höre Ihr Bedauern und danke für das Mitgefühl. Ich kann es brauchen, denn ich sage Ihnen, es geht mir richtig miserabel! Dabei hatte ich alles so wunderbar eingetaktet. Die handgemachten Plätzchen kuschelten schon vor dem ersten Advent in ihren bunten Metalldosen, die Geschenke waren so zeitig wie nie diesmal in burgunderroten Samt gehüllt, der Weihnachtsplan hing wie immer ordentlich am Kühlschrank und sprach von wohldosierten Treffen mit Familienmitgliedern und Freunden. Gut, ein bisschen dicht, aber deutlich dezimierter als die Jahre zuvor - mit "Mut zur Lücke", um ohne Zeitstress all die lieben Menschen zu genießen. Und nach Weihnachten, diese Zeit zwischen den Jahren, da wollte ich mich in Ruhe auf ein wundervolles Silvester vorbereiten. Lesen, ausruhen, aufräumen, visionieren, Geschenken sortieren, eine Silvesterkarte entwerfen, Neujahrsgrüße verschicken, Steuererklärung machen, Schals aussortieren, einfach die Seele baumeln lassen. Und was man halt sonst so macht als Weibchen: nochmal die Haare nachschneiden, viel Schönheitsschlaf, ein bisschen Nägel putzen, in Ruhe und ob der üppigen Tage mit bangem Gefühl den traumhaften Brokatrock anprobieren... vielleicht müsste der doch nochmal zum netten Herrn Ün für eine Bundvergrößerung?... aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. 
Aus heiterem Himmel am Donnerstagmittag kam auf einmal diese Hitze, ich fühlte mich eingesperrt, wie im persönlichen Ofen, ich glühte. Irgendwie war es aber nicht wirklich unangenehm. Als ich mich das erste Mal getraut habe mein ungutes Gefühl hinsichtlich dieser Hitze mit einer allgemein wissenschaftlichen Testmethode (Thermometer) abzugleichen, in dem Moment fühlte ich mich eigentlich schon weniger glühend. Pustekuchen, dafür glühte das winzige Lämpchen: satte 39,8 Grad Celsius leuchteten mir entgegen. Hätte ich mir ja denken können...deshalb lief ich neben der Spur: Briefe vergessen, keine Neujahrskarte gemacht, meine neue Shitakepilzzucht nicht gelüftet, komische SMSen verschickt, manche nicht verschickt... und so. (Ich sage rundherum in alle Himmelsrichtungen SORRY. Es ist alles dem Fieber anzulasten.)
Ich war außer mir. Fieber. Unfassbar.  Kam nicht in die Tüte! Ich wollte und musste doch unbedingt an Silvester fit sein!! 

Noch genau 2,5 Tage bis zu diesem Datum. Also was tun? So schnell wie möglich in die Horizontale, viel Ruhe und den Körper machen lassen.
Fieber. Eine trockene Hitze, wie brennender Saharawind. Nachts saß ich senkrecht im Bett und hatte das Gefühl mein Inneres würde von scharfkantigen, metallischen Hitzstrahlen zerrissen und durchbohrt. Orangeglühend, wie aus dem Schmiedefeuer, waren die spitzen Werkzeuge. Ich hatte unglaubliche Inspirationen für Bilder! Mein Kopf brannte, komischerweise immer wieder ein anderer Teil. Ich trank wie eine Verdurstende nur Wasser mit frischer Zitrone. Dieses launische Fieber. Diese gemeine, zehrende, schwächende Fieber. 
Ich hoffte so sehr bis Silvester wieder fit zu sein, ertrug  willenlos die Hitze und stopfte Vitaminpillen hinein, soweit das auf nüchternen Magen ging. 
Die nächste Nacht. Wenn Sie freundlicherweise an dieser Stelle nochmal den oberen Teil von "Fieber" bis "Fieber" lesen, dann ersparen Sie mir das Schreiben. Wieder eine Hitzeschlacht vom feinsten.
Am Samstag früh war leider klar: Silvester fällt für mich aus. 
Ich hatte dann vier Tage lang dieses hohe trockene Fieber. Ab und zu starken Schüttelfrost. Nichts anderes, keinen Husten, keinen Schnupfen, kein Halsweh. Ich fühlte mich so unendlich alt! Saftlos, kraftlos, langsam. Die Frau im Badezimmerspiegel kannte ich nicht. Ich fühlte mich von meinem Körper total im Stich gelassen. Hilflos. Ich gab auf,  war zu nichts, aber auch garnichts in der Lage. Ich fieberte weiter. Der Herr des Hauses versuchte mich eindringlich, aber vergeblich zu einem fiebersenkenden Mittel zu überreden. Denn ich gehöre zu der Sorte, die an Fieber glaubt. Fiebern ist großartig, der Körper springt mit einem hochkomplexen Abwehrsystem an, um irgendetwas im eigenen Körper den Garaus zu machen. Immer wieder sah ich die winzigen Abwehrzellen durch meine. Körper jagen und Schlachten in meinem Namen gewinnen. Dabei hatte ich immer wieder zwischendurch eine irre Angst, es könnte was schlimmes sein, denn die Nierenpartie tat auf einmal weh, dann der Oberbauch, dann das Schienbein... dann begannen seltsame Vorgänge im Kopf: auf jeden Fall nur die engste Familie... wer kann mir am Krankenbett gestohlenen bleiben? Weihnachten war so wundervoll! Wer bekommt meinen schönen Kashmirschal aus Dubai? Ich musste noch eine Überweisung machen. Würde ich eine Operation wollen? Oh, es stand noch eine Zalandoretoure im Atelier, Aufkleber noch nicht ausgedruckt. Verdammt, wenn sie den Bauch schon aufschneiden müssen, dann hätte ich auch gerne gleich ´ne Taillennummer kleiner. Dufte ich nicht vergessen das auf dem Anamnesebogen anzugeben. Mist, ich hatte keine frischen Nachtwäsche für einen Krankenhausaufenthalt, ich würde noch was bügeln müssen. Warum war ich damals in dieser Stadt doch nicht mit diesem netten Typen ausgegangen? Was hatte meine Ärztin gesagt? So schnell stirbt man nicht. Wer würde nächsten Jahr den Lavendel schneiden? Wo hatte ich bloß diese Patientenverfügung hingelegt? Wer würde an meiner Selle die Steuer machen können? Ich fieberte. Ganz eindeutig. Und das Hirn fabriziert ausdauernd und gebetsmühlenartig gemischten Mist. Ich war echt am Ende, fieberte weiter und mir entging leider, dass der Herr des Hauses ein wenig blass um die Nase war.

Der wüstwirre neverending Gedankennebel verflüchtigte sich erst in dem Moment, in dem der Herr des Hauses zeitversetzt auf einmal ähnliche Symptome aufzeigte, allerdings gepaart mit ausdauerndem Kopfschmerz. Er hat mein aufrichtiges Mitgefühl. Er leidet allerdings anders. Gefasster, substanzieller und kaltschnäuziger. Mannhafter halt. Vor allem auch nicht mit Endzeitstimmung. Fieber. Es ist Fieber mit Kopfschmerzen. OK, die Nieren schmerzen auch wie blöd. Aber das ist es dann auch. Mehr nicht. (Ja, ich muss mir gratulieren, so einen habe ich erwischt, nicht die Sorte, die jammernd mit erbrochener Stimme nach einem Tässchen Tee verlangt.) Mich hat die Tatsache des ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogenen Herrn des Hauses jedenfalls etwas auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht...Die nebulöse Idee keimte nämlich in mir auf, dass die ungeliebte Wahrscheinlichkeitsrechnung wahrscheinlich dagegen sprach, dass wir beide gleichzeitig extrem schwer erkrankt sein sollten. Also nur schweres Fieber. Aufatmen.

Ich mache es jetzt kurz, denn ich hatte ja EHRLICH und WIRKLICH was anders im Sinn für den ersten Blogeintrag ... wir hier im Lazarett sind in der Phase angekommen, in der wir weitgehend nur noch nachts fiebern. Diesmal die Sorte Fieber numero 2 ( sprich "due") mit extremen Schweißausbrüchen. Und wir haben mit ´ner Prise Humor die erste Januarwoche deshalb zur "Reinigungs- und Schwitzkur" ausgerufen. Wir haben akzeptiert, dass wir dem neuen Jahr diesmal intensiv "entgegenfiebern"! Die Beine sind wackelig und unsicher. Herr Ün wird auch keine  Bunderweiterung weder bei dem Brokatrock noch einem anderen Kleidungsstück vornehmen müssen. Da der Zenith aber wieder überschritten ist, klettert die Laune. Wir lesen und ruhen und schlafen. In immer wieder geänderten Reihenfolgen. Es geht erschreckend langsam bergauf. Das Essen schmeckt immer noch nicht wirklich. Ist Ihnen schon mal bewusst aufgefallen, dass Broccoli nach seifiger Muskatnuss schmecken kann, eine echte Katastrophe! Aber eine klare Rinderbrühe war bereits ein Genuss und kühler 10prozentiger Sahnejoghurt Natur. Telefonieren ist anstrengend und ermüdend, aber lesen und schreiben geht wieder. In Etappen, wohldosiert. Es besteht also Hoffnung auf weitere Blogeinträge. ;-) 

Und nun wollen Sie natürlich wissen, was denn da gewesen wäre an Silvester? Welche erste tolle Bloggeschichte 2017 wurde da über den Haufen geworfen?
Also....ich hatte gehofft, ausschließlich von einem fulminanten Jahresbeginn in München berichten zu können. Einer wunderbaren, unvergesslichen, einmaligen, champagnergefüllten, lukullisch inspirierenden Silvesternacht.  Der Herr des Hauses im Smoking mit schicker Fliege. Ich in diesem neuen, stufenlagigen Brokatrock mit wunderbarer fakefur-Stola und goldenen oder schwarzen Schuhen. Das war noch nicht endgültig entschieden.
So eine Nacht mit allem Drum und Dran habe ich nämlich als Preis gewonnen!! 
JA WIRKLICH!

Eine Übernachtung für zwei Personen in einer Suite, mehrgängiges Menue, Getränke und Champagner all inclusive, Silvesterball Swing und Soul, anschließende Lobbyparty mit Dj und Drinks...im Kempinski Vier Jahreszeiten in München! 

Ist das nicht ein wahnsinnig toller Preis, den ich da am 2.Advent gewonnen habe?!  Ich habe mich so unglaublich darüber gefreut, war ganz aus dem Häuschen über diesen Gewinn und die Aussicht auf einen fulminanten Start ins neue Jahr. 
Und wissen Sie was? Auch wenn ich ins neue Jahr nicht reingefeiert habe - nur "reingefiebert" bin, nicht mit Champusglas in der schönen Maximilianstraße stand, sondern mit literweise Zitronenwasser an der Bettkante kauerte: ich fühle mich immer noch wie ein Glückspilz! So ein toller Gewinn! 

Das Leben ist schön, nicht wahr? Immer voller Überraschungen. Verschlungener Wege und verwunschener Entwicklungen. Und jede Kurve hat 'nen Grund, auch wenn man den nicht immer gleich weiß. (Verdammt, warum? Hier muss ich doch mal schwach fluchen!)

Auf jeden Fall mach' ich 2017 wieder Preisausschreiben mit ;-)! 

Ihnen von Herzen ein großartiges Jahr! 

Ihr Glückspilz


P.s.
Die Geschichte hat auch ein Happyend. Dank der großzügigen Geste des Hotels Kempinski München, durfte ich noch am Silvestertag tatsächlich den Preis weitergeben. Und zwei Menschen in München hatten spontan einen tollen Jahresanfang mit ganz großem Kino!
Danke an das Kempinski Vier Jahreszeiten München!!





Kommentare:

Christjann hat gesagt…

Ach, Armes! Bonne année quand même und weiterhin Besserung in angemessenem Tempo! Schade um das Kempinski.
Hier übrigens crise de foie, die heute als Magen-Darm diagnostiziert wurde.
Solidarische Grüße von Couch zu Couch, auch an den Gatten!
die Cousine

Petra Meyer hat gesagt…

Oh Du Arme! Gute Besserung! Das hört sich ja mindestens genauso unerfreulich an! Ich hatte im Erwachsenenalter noch nie so hohes Fieber, war echt wie das Ende der Schlacht. Heute war der Himmel schon wieder stellenweise blau, ja so,ist das halt!
Ein gutes Neues, ich glaube Du bist auch irgendwie kartenlos geblieben...gewinkt nach Cannes aus dem eiskalten Würzburg!
P.s. Gute Idee mit dem kommentieren hier. Ich muss die Leute umerziehen, denn ich will mich von fb lösen, nur noch posten, aber sonst nichts.