Donnerstag, 28. November 2013

Winterherrschaft


Der Winter übernimmt die Herrschaft!
Raureif und Bodenfrost sind als Vorboten unterwegs.
Ich mags - alles so frisch und kalt draußen
...und drinnen warm.
Am Sonntag ist schon der erste Advent. Das Jahr spurtet dem Ende zu.
Alles gut.


Dienstag, 26. November 2013

For my friends all over the world

This is just for you, my dear friends all over the world.

You, who are interested in my life, my passions, my thoughts and emotions. I know, I didn´t manage to visit you as many times as I wanted to the last years, this year. But I kept you up to date concerning all activities and actions of my "little-me" ;-)! And I tried to keep up with you lifes and your turbulences during this year. It´s just nice to know that there are kind, caring people out there in this big universe, knowing me, understanding me, liking or loving me the way I am.  Some of you I already know for ages! Some of you even got to know me when I was only a youngster. We meet irregularly. But we know for certain that we have great times, when we see each other. The bond between us doesn´ t need daily telephone calls. It´s as it is. And it´s good as it is.

Thank you for being you and being part in my life and of my life!



Montag, 25. November 2013

Unsere verrückte Welt!

Wir werden vollkommen überladen: täglich gefacebooked, vertwittert, übersolart, gewindparkt und biogetriezt. Viele sind überfordert, überlastet und durch das Überangebot orientierungslos.
Die Sehnsucht nach dem schlichten Lebensstil steigt. Solche Momente kann man sich zwischendurch in den überbordenden Alltag holen: ein Tässchen Tee - in Ruhe. Ein handschriftlicher Geburtstagsgruß - in Muse. Kerzenschein zum Frühstück - in Stille.  Steine sammeln am Strand - in Schweigsamkeit. Das habe ich mir "geholt" und gegönnt. An der herbstlich wilden Ostsee  habe ich Tage der Unaufgeregtheit verbracht. Stürmischer Himmel, strahlend blau, von wilden Wolken durchzogen. Glasklare Luft. Strandspaziergänge ohne Ziel. Steine finden und Steine legen, abstrakte Kunst aus Algenknäueln. Wenn die reine Freude an einem gefunden Stein tief aus dem inneren Ich nach oben steigt, Kindheitserinnerungen an Strandurlaube wachwerden,  unerwartete Erinnerungsinseln auftauchen, dann wird alles andere so belanglos.
Ich habe die Tage genossen und fühle mich durchgepustet nach all den Stunden zwischen den Buhnen und in den Dünen.
Der kommenden Woche sehe ich ostseeluftgestärkt und gelassen entgegen. Und Kerzenschein gibt es auch, denn in Lübeck habe ich mir einen wunderbaren, dreiarmigen Kerzenleuchter geschenkt. Aus good old England, mit viel Vergangenheit unter dem Silberfinish. Er wird die nächsten Wochen unsere Morgen begleiten. Und meine Erinnerungsinseln werden weiter wachsen.
Heute poetisch: ich.







Sonntag, 17. November 2013

Wenn einer eine Reise tut...

Die Zugfahrt war lang. Ich habe viel gemacht. Unter lautlosem Protest den Platz gewechselt, weil eine aufdringliche Lady mir permanent Gespräche draufdrücken wollte, einen Tisch verlassen, weil ein anderer "Bahnpatient"  lange, laut und  störend telefoniert hat. Ja, ich fühle mich oft als Patient, der von der Bahn von A nach B verschoben wird, mit Wartezeiten auf dem Gang, mit Stopps und Verspätungen beim Transport, mit  Enge, Lärm und einfach zuviel Mensch um mich herum. Der Sparpreis hat einfach seinen Preis - da darf ich leider nur gedämpft jammern.
Zur Ablenkung habe ich Unfug gemacht, habe selfies angefertigt. Sie wissen, was das ist, oder? Selbstprotraits mit dem Handy, die für Krämpfe im Arm sorgen, weil man ja permanent mit der Kamera vor sich selbst herumfuchtelt. Meine selfies habe ich mit einer tollen App gemacht, mit der man oder auch Frau aussehen kann wie Mona Lisa oder die Freiheitsstatue. Ich musste so kichern und prusten, dass auf einmal ich zum Störfaktor im Bahnabteil wurde. Hat mich auf einmal kalt gelassen. Warum nicht auch mal stören?

Und woher meine füllenhaftige Ausgelassenheit?
Die Fahrt ging in Deutschlands Hauptstadt. Freunde treffen, Stadtvibration tanken, Inspiration aufsaugen, schauen, kommunizieren, lecker essen.
Ja, ich weiß, eigentlich habe ich mich als Heimhockerle geoutet. Ja, aber halt nicht nur. Zwischendurch gibt's dann diese extensiven Ausbrüche. Deshalb gab es die letzen Wochen News aus Budapest, München, Paris und jetzt halt aus Berlin. Und nächste Woche von der Ostsee...danach kehrt Winter- und Weihnachtsruhe ein. 
Also jetzt Berlin. Da brennt die Luft. Und das schönste sind diese überraschenden Begegnungen. Zum Beispiel mit Anderson Robin. Er kommt aus New York, strahlt mit sensationell weißen Zähnen mit der Lafayettebeleuchtung um die Wette und schleppt unermüdlich englisch auf mich einredend tolle Klamotten in die Kabine, die mir super stehen, von denen ich aber manche in W. nicht tragen kann, ohne sofort von der Polizei kontrolliert zu werden.
Oder z.b Maxim aus Kasachstan, der mir in der coolen, oft bushido-besuchten versteckten Kaffeebar in der Knesebeckstrasse gegenübersitzt. Er hat drei Tage Urlaub und fliegt über Berlin nach München, nur um dort den fanshop von Bayern München zu besuchen!! Und dann wieder zurück zum Job. Das ist wahre Fan-Leidenschaft!
Ja, und dann war da noch meine Begegnung mit dem Australier Joshua nachts um halb zwei am S-Bahnausgang, mit dem ich erstmal per GPS den Savigny Platz gesucht habe und dann bis morgens um vier (!) in einer rauchgeschwängerten Bar versackt bin. Es gab so viel zu erzählen, zu politisieren. Ein intensiver, spritziger und interessanter one-Night-Talk. Ich weiß, dass er für zwei Jahre seiner Berliner Herkunft nachspüren will, gerne Fliege und kariertes Outfit samt Kappe trägt und sooo gerne in Berlin bleiben würde, aber seine Frau nicht. Das Problem konnte ich leider auch nach dem dritten Pils nicht lösen.
Da waren auch noch all die reizenden kleinen Talks, z.B. mit der aparten, herzlichen Rothaarigen an der Hotelrezeption, am Fahrkartenschalter von der S-Bahn mit dem kreditkartenkämpfenden Schweizer Paar und mit der spritzigen, engagierten Inhaberin mehrerer "Butiken" (Tatem), die aus einem Würzburger Vorort kommt!

Und das waren alles nur Nebenschauplätze, denn hinzukamen zwei großartige Abendevents. Der eine in Begleitung meiner Freundin U. bei Giovanni in der Pariser Straße ("Freni & Frizioni"). Er hat uns göttlich bekocht und ausdauernd den rose Prosecco nachgeschenkt. Das spritzige Gespräch mit dem am Nebentisch schmausenden, aus Sri Lanka stammenden, ehemaligen Musikmanager  von Marius Müller-Westerhagen (!)  war da unausweichlich.
Und das Abendessen in trauter Runde in einer der klassisch monumentalen Altbauwohnungen in Charlottenburg mit ebenso klassischem Rehbraten und ausdauernden Diskussionen und hitzigen Überlegungen zu einem Hilfsprojekt in Italien.

Ich bin übervoll mit Eindrücken, Erlebtem, Gesehenem, Gesagtem und Gehörtem. Und der Herr des Hauses ist glücklich. Weil ich still und stumm herumsitze.
Denn meine Tagesrationen an Wörtern habe ich alle in Berlin losgelassen und bin nun ziemlich friedlich, sonntagschillig und maulfaul.  Das hält die nächsten Tage an, hofft zumindest der Herr des Hauses. Ich lass´ihn erst mal in der Hoffnung. ;-)

Meine diesmalige Berlin-Fotostrecke, die bei jedem Berlinbesuch anders ausfällt:

1. what do you fancy love, Knesebeckstraße
- super leckere smoothies, toller Cappuccino und das Brot mit Avocadocreme macht fit für den Rest des Tages.


2. Sets in der Schlüterstraße
Zum frühstücken - alles bio. Unbedingt reservieren!

3. Lafayette: das Pflaumenbrot  an der Brottheke ist klasse. Anderson Robin verbreitet sein strahlendes Lachen im 3. Stock bei maje, Pariser Chic in Berlin.

4. Die Museumsinsel, beeindruckend! Alles auf einmal geht nicht, da muss man mit den Kräften haushalten und die Ausstellungen "einteilen"

5. laufen, laufen, laufen. Dann erspürt man Berlin.

6. Die jüdische Synagoge macht früh zu und man wird ziemlich unwirsch daraufhingewiesen.

7. s-Bahn Tagesticket für 6,70€ macht Sinn, wenn die Füße schlapp machen. Die Distanz Berlin Mitte und Charlottenburg lässt sich so staulos easy bewältigen.

8. am Stuttgarter Platz gibt es ein marrokanisches Geschäft mit wunderbarer Keramik.



Ich beginne mit Überlegungen, was ich alles im Koffer lassen soll... für den nächste Woche anstehenden Ostseeevent.
Doch mein Kopf streikt... der ist noch im Berlin Verarbeitungsmodus, sollte vor neuer Planung deshalb erstmal in den "empty-box-modus" fallen.

Also: Füße hoch, Welt am Sonntag vor die Nase und grünen Tee aus Japan in die Tasse!

Gegrüßt am ruhigen Sonntag mit grauem Himmel! 

Dienstag, 12. November 2013

Suchjes!

Beim Herrn des Hauses hieß das Spiel der Kindertage "Suchjes". Wir haben das Wort deshalb für unsere Kinder übernommen. Das war immer eine riesige Gaudi, ein Geschrei und Gebrüll, ein Getobe, wenn einer auf die Jagd - auf die Suche- nach den anderen, den versteckten, ging. Und auch wenn sie schon ziemlich erwachsen sind, die Kinder, die bloße  Erwähnung des Wortes "Suchjes" zaubert umgehend ein ziemlich glückliches Grinsen in deren Gesichter. Dabei könnte das Spiel auch "Findjes" heißen. Das würde mir ziemlich gut gefallen. Denn schon im Buch mit der Tigerente gingen die Protagonisten ja nicht Pilze suchen, sondern Pilze finden. Fand ich total schön. Das implizierte ja schon den Erfolg, sagte diesen quasi voraus. Keine Suche, die mehr das vergebliche Tun erahnen lässt, nein, der ziemlich wahrscheinliche, glückliche Fund steht im Mittelpunkt.
Naja, das Spiel heißt nun also Suchjes und ich habe mich dran gewöhnt. Bei uns hieß es übrigens schlicht und ergreifend Versteckspielen. Auf jeden Fall haben alle diese Bezeichnungen eines gemeinsam: da gilt es etwas zu entdecken! Und so ist das auch mit meinem Herbstfoto. Da kann man was entdecken. Das Bockkitz z.B., dass sein Leben ein bisschen meinem Tun verdankt. Denn ich habe in der Zeit, als das junge Tier noch keinen Fluchtreflex hatte, den umtriebigen erfahrenen Meister Reinicke ausgetrickst, abgelenkt, mit allerlei Kühlschrankresten gefüttert. Damit das Kitz nicht auf seinem Speisplan landete. Die Fütterungsaktion war ein voller Erfolg, das Kitz ist putzmunter und sehr kräftig für sein Alter.
Tja, man kann aber noch mehr entdecken auf dem Foto. Z.B. das viele Laub. Und die Bäume. Treppenstufen, Mauerreste. Ja und noch etwas.
Also spielen Sie doch mal Suchjes! Brille auf, Kontaktlinse rein oder raus, je nachdem. 
Und, haben Sie' s? ;-)


Samstag, 9. November 2013

Die geimpfte Eiche

Herbstzeit!
Nächste Woche hat sich zwar der Winter angesagt mit einem Temperatursturz gegen Null. Aber noch besteht der Herbst auf seine Zeit. Überraschend mild, weich und kuschelig ist´s diesen November. Heute morgen habe ich sogar mit dem Herrn des Hauses in einem schönen Würzburger Cafe-Bistro draußen frühstücken können. Die Sonne am strahlend blauen Himmel geht aus dem battle gegen die regengeschwängerten Wolken immer wieder als Sieger hervor. Deshalb wartet heute schon der Garten auf mich, für die letzten Laub-und Schnippel Arbeiten, für die letzten Umpflanzungen und Neupflanzungen. Dann aber, habe ich mir geschworen, dann ist Schluss mit Garten. Und ich wende mich - volle Kraft voraus! - den Wintertätigkeiten zu. Plätzchenrezepte vorsortieren und auswählen, Ideen für Weihnachtskarten hin- und herdenken und schon mal so Richtung Weihnachtsdeko schielen. Wird es ein bunter Baum oder greife ich dieses Jahr eher zu klassischem Schmuck?
Aber wie gesagt, das alles startet erst, wenn die Temperatur sich auch auf Wintermodus eingependelt hat.
Heute, im Garten, da genieße ich die letzten warmen Stunden. Und versuche was ganz Neues.
Ich versuche mich im Trüffelsuchen. Ja, richtig gehört! Angeblich gibt es nämlich unter unseren heimischen Eichen Berge des schwarzen Goldes zu finden. Da können die Italiener und Kroaten und Franzosen schon mal Stoßgebete gen Himmel schicken. Denn wenn in unseren Wäldern tatsächlich Tonnen der knubbeligen Pilze gefunden werden, dann geht der Run auf die ausländischen schwarzen Knollen dramatisch zurück. Wer würde sie nicht wollen, die heimischen, ökobilanzpositiven Trüffel? Ein Tartuffo aus dem Gramschatzer Wald oder aus dem Rothaargebirge. Das wär´s. Noch lieber wäre es mir allerdings, ich würde die Knöllchen auf unserem Grund und Boden, unter unseren Eichen finden. Ich liebäugle damit, den Nachbarshund abzurichten. Weil mir das Bild von mir mit dickem Wolljumper, gepunkteten Gummistiefeln mit Schaberchen und Bürstchen bewaffnet, die Nase am Boden auf Knien um die Eiche robbend, einfach nicht gefallen will. Mit chicem Hund sieht´s besser aus und ist sicherlich auch erfolgsversprechender, denn das gute Tier riecht 800x besser als ich!
Damit der Hund weiß, nach was er suchen soll, habe ich eine richtige Trüffel für ein gefühltes Vermögen erstanden. Sogar in Herzform, mit dem so aufregend anregenden Duft.
Alternativ nehme ich mir vor, wenn das mit dem Hund nicht klappt oder wenn partout kein Trüffel unter der Eiche zu erschnüffeln ist, dann greife ich zu Methode Nr. 2 :
dann pflanze ich eine neue kleine Eiche. Und zwar eine, die tatsächlich schon mit Trüffelsporen geimpftt ist. Ja, so was gibt´s im Internet zu kaufen! Habe ich gelesen. Und angeblich kann ich dann in 5 Jahren wirklich Trüffel ernten. Ein bisschen Geduld muss ich also mitbringen.
Und während ich noch so vor mich hindenke, wo ich die Trüffeleiche denn im Garten wohl am besten platziere, fällt mir ein, dass ich ganz schön Hunger habe.
Und mir läuft das Wasser im Mund zusammen, kein Wunder -  bei den Trüffelträumen!
Deshalb geht auf einmal alles ganz schnell: die "Hund-Trüffel-Ausbildung und-Such-Idee" wird  umgehend verworfen, dafür wird eine Eiche mit Trüffelsporen per Internet bestellt. Dann Spaghetti in den Topf, Zwiebeln angeschwitzt, helle Einbrenne gezaubert, Trüffelöl hinein, Spaghetti in der Soße geschwenkt, alles auf den Teller und frische Trüffel drüber geraspelt.
Heißhungrig rede ich mir die Situation zurecht: wer weiß, vielleicht hätte der Hund noch die goldene Knolle beim Üben verschluckt. Ganz klar die bessere Idee : Trüffel selber essen!

Glückselig wickle ich die Trüffelspaghetti um den Löffel.

Ein wunderbarer Samstag!


Freitag, 1. November 2013

Herbstparfum in gelb


Nicht nur der Frühling ist eine Jahreszeit, in der Duftwolken die Luft durchziehen.
Auch der Herbst hat da olfaktorisch einiges zu bieten. Wenn beim Wandern urplötzlich ein Pilzgeruch über den Weg kuselt, wenn die frischgeraspelten Äpfel ihren süßlichen Duft verschenken, wenn die Mischung aus Laub und Gartenschnittgut so vergänglich-kompostfeucht die Herbstluft durchdringt.
Da kann man die Sehnsucht des Parfumeurs Jean-Baptiste Grenouille schon verstehen, all diese nuancierten Duftarten einzufangen und in Fläschchen abrufbereit zu konservieren.
Doch ich will diese Düfte gar nicht immer verfügbar haben! Gerade die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit sind für mich das Faszinierende. Und die Gewissheit, dass mit 100 %iger Wahrscheinlichkeit z.B. auch im nächsten Jahr wieder die herbstliche Quittenernte in der Schale tagelang den ganzen Raum erfrischt, wie eine Duftlampe. Ach ja, dieser zarte Duft, bestehend aus mehr als 80 Duftstoffen! Diese altmodische, archaische Form! Birnenähnlich und doch anders.
Die Quitte gibt es schon seit vielen hundert Jahren vor Christus und sie kommt wohl ursprünglich von der Insel Kreta, Chania, daher auch ihr botanischer Name (Cydonia).
Diese festen, mal zitronen- mal sonnengelben Früchte üben auf mich eine unglaubliche Faszination aus: Früchte mit flaumigem Pelz, selbstbefruchtend, störrisch.
Ja, sie sind störrisch und hart.
Ich mag sie deshalb nicht sehr gerne zubereiten, denn das langwierige Zerkleinern z.B. für Gelee fordert ausdauernde Muskelkraft, die ich einfach nicht habe.
Aber ich liebe alles, was man aus Quitten so zubereiten kann (denn roh essen geht nur bei einer türkischen Sorte). Was sich wohl herumgesprochen hat: als Geschenk gab's diese Woche für mich ein wunderbares, hausgemachtes Quittengelee mit Rosenblüten. 
Macht glücklich! Zumindest mich und die, die Quitten lieben.

Ich grüße am 1. November!




Sonntag, 27. Oktober 2013

Montag-Morgen-Tipp: Gregorio!

Der heutige Sonntagnachmittag trottete gemächlich dahin. Das Wetter draußen konnte sich nicht entscheiden zwischen Sonne und blau oder Regen und grau. Diesem Wetterblues habe ich mit einer Kochorgie entgegengewirkt (...nein, das ist kein Kochblog... aber manchmal...).
Voller Hingabe habe ich sage und schreibe ab 7.00 Uhr in der Küche gestanden! Erst musste der Wildschweinrücken knusprig angebraten werden, der dann mehr als 5 Stunden bei milder Temperatur im Ofen schlummerte. Das Fleischrösten in aller Herrgottsfrühe kann ich nicht wirklich leiden. Wie geht es Ihnen? Deshalb habe ich da eine wunderbare Methode entwickelt. Auf dem Zweiplattenkocher aus meiner Studienzeit - das Teil ist quasi eine echte Antiquität! - brate ich draußen bei Wind und Wetter, eingehüllt in eine Gartenjacke, die Fleischstücke an. Und schiebe das Ergebnis meiner Anbraterei nur noch zum Fertiggaren in der Küche in den Ofen. Es riecht dann überall schön nach Braten - Fettfilm und Fettduft aber bleiben im Freien. Dank sei dem Zwei-Plattenkocherchen.

Nach dem Fleischakt kam der Apfelkuchen dran. Ich bilde mir einfach ein, dass Kuchen mit selbstbesprochenen, selbstbestaunten und selbstgeernteten Äpfel einfach unvergleichlich viel besser schmeckt, als alles andere. Deshalb muss der Herr des Hauses zur Zeit auch immer wieder neue Apfelkuchenrezepte "mitmachen" - er stöhnt deshalb auch kräftig. Aber nur,  weil die Badezimmerwaage nicht die gewünschten Zahlen zeigt. Und natürlich, weil es so gut schmeckt.
Heute also war ein normannischer Apfelkuchen dran. Wie ja bekannt: die waren auf keinem Gebiet zimperlich, diese Normannen - der Kuchen enthält entsprechend mehr als reichlich Apfelwein und Calvados! Während ein buttriger Mürbeteig ohne Ei im Kühlschrank vor sich hinkühlt, wird eine Art Creme oder Pudding aus Apfelwein, Zimt, Zitronensaft, Zucker und Mondamin hergestellt. Dahinein kommen fein geschnittene Apfelschnitz. Wenn diese Masse abgekühlt ist, dann bildet sie die Füllung für den Mürbeteig in der Springform.
Im vorheizten Ofen bei 180 Grad backt dieses französische Backwerk dann fast eine Stunde vor sich hin.
Und schmeckt lauwarm mit creme fraiche oder Schlagsahne einfach unwiderstehlich gut!
Von der Torte haben wir etwas verspeist und etwas aufgehoben. Für den morgigen Montag. Der Wochenanfangstag soll ja auch sein Highlight haben. Dazu dann eine schöne Tasse Kaffe und es kann draußen ruhig herbstlich weiter stürmen.


Apropos Kaffee: mein Montag-Morgen-Tipp für alle, die in Würzburg sind, ist ein Gang zu Gregorio am Kardinal-Faulhaber-Platz. Dort gibt es wunderbaren Cappuccino, auf Wunsch nicht nur ein leckeres italienisches Frühstück sondern auch andere Spezereien. Vor allem aber gibt es immer einen gut gelaunten barrista Gregorio, samt Frau und crew!
Für einen Wochenstart mit Winterzeit genau das richtige, oder?

Ich winke am Abend!

Gregorio /casa astorino in Würzburg
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Dienstag, 22. Oktober 2013

Gundel und Tögmak

Nein, Sie liegen völlig falsch!
Gundel und Tögmak sind keine neue Paarung in der Sesamstraße!
(Wie man überhaupt Gundel und Tökmag eher selten zusammen antreffen wird...)

Aber der Reihe nach.
Am Mittwochabend haben der Herr des Hauses und ich beschlossen, dass wir Donnerstag abends die Kühlschrankreste futtern, die Mülleimer leeren, zwei Köfferchen packen und dann am Freitag ganz früh um 6.00 Uhr losfahren würden. Wir lieben nämlich spontane Entschlüsse und tuen uns ziemlich schwer eine 3 Wochenplanung auf die Biene zu stellen.
Also gesagt getan. Wir sind freitags zwar erst um 8.00 Uhr losgekommen, aber das war irgendwie genau richtig: keine Staus, kaum Verkehr und schon am Nachmittag haben wir den ersten Palatschinken gegessen.
Ja, so ist das mit Europa. Mal schnell ein Käffchen in Holland trinken? Kein Problem. Mal in Straßburg Maroni knuspern, aber gerne! Mal nach Budapest düsen, weil das schon so lange auf dem Programm stand: einfach losfahren! Kein Zinnober mit Papieren oder Zoll. Dank Schengener Abkommen rauscht man ganz einfach von Deutschland durch Österreich nach Ungarn und kein Uniformierter hält einen auf. Wir sind einfach nur so hineingerutscht ins Land der Ungarn! Eben noch hier - schwups waren wir da.
Gestört haben bei der Fahrt nur Fledermäuse vernichtenden Windparks und die endlos hässlichen Solarfelder an der Autobahn, die so trostlos die Natur verschandeln. Aber angeblich entstehen da beiderseits der Autobahnen neue Biotope. Auch unter den Solarpaneelen. Ja, Sie haben richtig gehört: BIOTOPE. Die Autoreifen sind nämlich in den Profilen mit wunderbaren Sämereien aus aller Herren Länder bespickt, die sich nun an den Rändern unserer deutschen Autobahnen gütlich tun an Streusalz, Abgasen und Schmutzwasser. Dieser Mix scheint den Pflanzen zu bekommen, Spezialisten entdecken täglich neue Pflänzchen, die sich inzwischen bei uns in Germanien recht heimisch fühlen. Das hat sich herumgesprochen: auch die Rehe sind nicht mehr im Wald anzutreffen, im wahrsten Sinne des Wortes.  Das Bambi äst jetzt nämlich lieber gefahrlos am Straßenrand der Autobahn, als an des Waldes Saum. Sollte sich das weiter in der Tierwelt herumsprechen, sollte die Epigenetik hier kraftvoll durchschlagen, dann können die Männer im grünen Gewand schon mal ihre Werkzeuge einmotten.

Ja, also Budapest.
Da haben der Herrn des Hauses und ich bei wunderbarem Sonnenschein in einem Kaffehaus im Freien (Ende Oktober!) erst mal die maroden Geschichtskenntnisse wieder aufgefrischt. Kaiserin Sissi - unvergessen Romy Schneider und der schmucke Karl-Heinz Böhm -, Paprika, Gulasch, die Kettenbrücke, Türkenbelagerung, Beginn der Wiedervereinigung durch Aufnahme von DDR Flüchtlingen 1989. Das waren so die ersten rudimentären Stichworte, die wir uns beim Cappuccino zuwarfen. Irgendwie ist Ungarn nicht ganz so präsent, stelle ich erschrocken fest.
Das Ungarn mal von der Ostsee bis ans Ende von Kroatien reichte und eine riesige Fläche ausmachte? Das Siebenbürgen unter der Türkenherrschaft ein eigenes Fürstentum blieb? Das der Zigeunerfürst Arpad 9 oder 10 Stämme in und zu Ungarn zusammenführte? Dass die Kettenbrücke deshalb erbaut wurde, weil der Brückenkonstrukteur über eine Woche auf eine Flußüberfahrt warten musste, um an der Beerdigung seines Vaters teilzunehmen? Das Gundel ein spezieller ungarischer Pfannkuchen ist  und tögmak einfach Kürbiskern heißt? Viele neue Erkenntnisse und altes Wissen - reanimiert.
So ist das, wenn wir wegfahren. Wir tauchen dann gerne ein in unsere Umgebung, die Geschichte, wälzen Bücher und Wikipedia, fragen die Menschen - so sie uns verstehen - Löcher in den Bauch.
So erfahren wir dann auch, dass in Budapest das durchschnittliche Einkommen bei 500 € liegt, der freundliche Fremdenführer 1,70 E pro Stunde verdient, aber fast 600€ im Semester an Gebühren an seine Universität zahlen muss.
Wir erfahren, dass es in dieser prachtvollen Stadt mit den imposanten Gebäuden viele Leerstände gibt, weil die Menschen sich die Wohnungen nicht leisten können und die Kaufkraft nicht ausreicht für all die  Nobelmarken, die deshalb vielerorts wieder den Rückzug angetreten haben. Die Innenstadt ist in weiten Teilen mit Läden bestückt, die inzwischen in allen Großstädten anzutreffen sind, was mich unendlich langweilt. Aber es gibt auch die kleinen Gässchen mit Stoffdesignern und anderen Kleinod-Lädchen. Man muss zwar etwas suche, kann dann aber fündig werden.
Wenn ich im Großen und Ganzen vergleiche: die Erfurter Innenstadt erscheint mir "fertig saniert", was für Budapest sicher nicht gilt.
Das hat allerdings auch einen besonderen Effekt. Die Stadt fühlt sich in manchen Straßen und Gassen und Parks so"gelebt" an, wissen Sie was ich meine? Da ist nicht alles aufgefrischt und auf dem neusten Stand, sondern in den Gassen weht die "gelebte und erlebte Luft". Ich kann das förmlich riechen. Die Zeitreise ist teilweise fast zum Greifen nah.
Beinahe klang es nach türkischem Säbelrasseln und Kutschengeräuschen!
Kaiserin Sissi in natura wäre eine echte Überraschung gewesen...

Aber es gab reale Überraschungen in Form von wunderbaren Restaurants, Jazz Musik und einem sehr entspannten Lebensstil. Es wird viel gelacht, die Kaffehauskultur wird hochgehalten - die Törtchen  sind optisch und kulinarisch ein Genuss. Bewundernswert ist die Architektur: die imposante Straßenzüge, unbeschreiblich schmuckvollen Gebäude, die Markthalle. Und dann die breite und träge Donau, die grandiosen Brücken, das viele Grün in den Straßen, die artenreichen Parks, die volksmusikalischen Straßenmusiker und die freundlichen Menschen:


Budapest ist eine Reise wert!






Donnerstag, 17. Oktober 2013

Malerei und Herbstlaub...

Die Malpause der letzen Monate ist endgültig vorbei und voller Freude "stehe ich wieder knietief in Farbe"! ;-)
Ich liebe dieses "sich-in-ein-Tun-versenken"... vor allem brauche ich fast nichts während dieser rauschhaften Malerei. Selbst die Waschmaschine steht stumm herum, denn der Wäscheberg bleibt mehr als überschaubar: morgens ziehe ich meine Malerhose an und abends wieder aus.
Die ganze "was-ziehe-ich-heute-an"-Fragerei entfällt und weicht kreativem Tun.
Und der Herr des Hauses kommt nicht dazu Winterspeck anzusetzen, denn meine Kochlust beschränkt sich auf schnelle Gerichte, mit  Zutaten, die in den Tiefen der Schränke zu finden sind. Linseneintopf, Eintopf mit Dicken Bohnen, Nudeln mit Tomatensoße, Tomatensoße zu Reis und Reis zu was-weiß-ich. Bloß nicht einkaufen gehen müssen!
Meine ganzen Energieen fließen in die Malerei. Weil ja auch der Garten inzwischen schläft.
Fast.
Nicht ganz.
Die Vegetation hat zwar Ihre Tätigkeiten eingestellt, dafür werden die Laubberge von Tage zu Tag größer. Überall trudeln Blätter in die Beete und auf den Rasen. An manchen Stellen liegen schon dicke, gemusterte Teppiche aus Herbstlaub.
Deshalb habe ich mir Zwangspausen vom Malen  auferlegt - zum Laubrechen im Garten. Frische Luft belebt ja auch den Geist. Aber selbst beim Laubrechen flattern meine Gedanken um das Thema Malerei herum.
Ich sehe nur diese unglaubliche Vielfalt der Laubblätter, deren Muster und Formen.
Schnell wieder ins Atelier, die Hand voller Musterexemplare, die meine Arbeiten in Form und Farbe inspirieren werden.

Der Herr Herbst muss doch ein Maler sein!